Prozess wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung

Am 19.März fand vor dem Gericht Bautzen ein Prozess gegen Bert S., geb. 23.09.87 wohnhaft in Bautzen, wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung statt.

Der Prozess sollte 09 Uhr beginnen. Da der Staatsanwalt sowie der Angeklagte um diese Zeit noch nicht anwesend waren, musste eine Pause von 10 Minuten eingeschoben werden. Im Prozessaal nahm eine Schulklasse sowie antifaschistische Beobachterinnen Platz. Da alle Plätze im Saal belegt waren, fand ein Nazis, welcher den Angeklagten begleitete, keinen Platz mehr.

Zu Beginn der Verhandlung fasst der Richter die Beschlüsse, dass ein Nebenkläger zugelassen wird, dass dieser durch einen Anwalt vertreten werden kann und das für die 1.Instanz Prozesskostenhilfe genehmigt wird.Geladen waren 6 Zeugen incl. des Nebenklägers sowie 2 Polizeibeamte. Die Beamten erschienen jedoch nicht.

Der Angeklagte sagte zu Beginn aus, dass er nicht am Tatort gewesen sei und dies 3 Zeugen bestätigen können. Diese hatte er im Vorfeld benannt.
Als nächstes wurde der Geschädigte zum Tathergang befragt. Am 22.09.07 befanden sich gegen 0:15 Uhr die 3 Zeugen auf dem Theaterplatz in Bautzen als aus einer Parkanlage ( „Schilleranlagen“ ) eine vermummte Person auf sie zukam. Diese hatte Handschuhe an und sagte: „ Was habt ihr Spasten denn hier zu suchen?“. Nur Sekunden danach versuchte der Angeklagte den Geschädigten zu schlagen, dieser wehrte sich mit Reizgas. Daraufhin wich der Angeklagte kurz zurück, holte seinen Teleskopschlagstock hervor und versuchte den Geschädigten damit zu verletzen. Dieser flüchtete und rief die Polizei, was dem Täter veranlasste, zu fliehen. Festgenommen wurde der Täter im Bautzner Kornmarktcenter als ein Zeuge des Vorfalles ihn in einem Café erkannte und die Polizei rief. Diese stellte die Personalien fest und lud ihn später vor. Die 2 weiteren Zeugen, die dem Tathergang beiwohnten sagte in etwa das gleiche aus und gelten als glaubwürdig.

Scheinbar war die Strategie des Angeklagten Freunde als Alibi zu benutzen und so sagte er am Anfang er habe mit seiner Schwester und 2 Freunden DVD’s gesehen. Seine Schwester ( 35 Jahre, gelernte Köchin, 4 Kinder, wohnhaft in Bautzen ) machte vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.
Ihr Ex-Freund Jan L. ( 26 Jahre, arbeitssuchend, Vater der 4 Kinder ), welcher in besagter Nacht anwesend gewesen sein will, konnte sich nicht recht erinnern.
Auch der 3.Zeuge Robin S. ( 17 Jahre, wohnhaft in Bautzen ) konnte sich nicht erinnern, ob an diesem Tag DVD’s geschaut wurden.

Zum Abschluss wurde das Vorstrafenregister des Angeklagten verlesen. 6 Eintragungen, davon 5 Vermögensdelikte ( Diebstahl in mehreren Fällen ) und eine fahrlässige Körperverletzung wurden vorgelesen. Der Angeklagte musste für diese Delikte 2 Wochen Jugendarrest absitzen und 2 mal je 40 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Die Vertreterin der Jugendgerichts erzählte ihre Erkenntnisse. Das übliche: kaputtes Elternhaus, war sich selbst überlassen und von Freunden negativ beeinflusst, in der Schule sitzengeblieben und kein Hauptschulabschluss. Wegen seiner positiven Entwicklung ( Hauptschulabschluss nachgeholt und nun überbetriebliche Ausbildung als Landschafts- und Gartenbauer beim FAW Löbau ) schlägt sie dennoch das Erwachsenenstrafrecht vor.

Die Staatsanwaltschaft forderte 90 Tagessätze zu 15 Euro, die Vertretung der Nebenklage 4 Monate Freiheitsstrafe und Geldstrafe.

Der Angeklagte Bert S. ( der Nachnahme ist nur zufällig wie der, des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard S. ) wurde letztendlich zu 70 Tagessätzen a 15 Euro verurteilt. Er muss die Verfahrenskosten und die Kosten des Nebenklägers zahlen. Insgesamt wird die gesamte Strafe auf 2.000 Euro beziffert werden können, bei einem monatlichen Einkommen von 436 Euro ist dies nicht unerheblich.

Der Geschädigte ist mit dem Urteil einverstanden, auch wenn er sich ein deutlicheres Zeichen gewünscht hätte.


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