26.07.2009 & 11.07.2009 Tagesseminare

Wrackt’s ab, Rockers! Krise und Kritik des Kapitalismus

Mit der „Kernschmelze der Finanzwirtschaft“ vom Oktober 2008 sieht kaum noch ein Beobachter weniger als die tiefste Wirtschaftskrise seit der großen Depression Anfang der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts für gekommen. Linke wie der Rätekommunist Paul Mattick hielten die damalige Weltwirtschaftskrise für „die Todeskrise des Kapitalismus.“ Tatsächlich aber brach der Kapitalismus nicht in sich zusammen, wurde der Kapitalismus nicht durch eine Revolution hinweggefegt, sondern unter der faschistischen Barbarei im Namen seiner Überwindung neu organisiert. „Die Revolution war nicht da, es kam Auschwitz.“ (Gerhard Stapelfeldt)
Für die kritische Analyse der Gesellschaft ist Auschwitz nicht nur als der Zivilisationsbruch zu denken, sondern auch als Bruch zu jeglicher bis dahin formulierten Kritik des Kapitalismus und zu jeglicher Utopie seiner Überwindung.
Die Weltwirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts und die faschistische Barbarei legitimierten auch den Versuch, ein sozialistisches System zu errichten und dies im Namen des Klassikers Marx. Allerdings ohne die Lektüre seines Hauptwerks „Das Kapital“. Das Zusammenfallen des „Kasernenhofsozialismus“ nach 1989 ließ scheinbar den Kapitalismus am „Ende der Geschichte“ als Sieger zurück.
Kritiker wie Wolfgang Pohrt und Robert Kurz formulierten bereits in den 80er Jahren eine andere Kritik am Kapitalismus als die Arbeiterbewegung. Kurz sah gar den Zusammenbruch des Ostblocks nur als Vorspiel des Zusammenbruchs auch des wettbewerbskapitalistischen Systems an. Ist dieser jetzt gekommen? Und wenn nein, müssten die Kritiker von Herrschaft und Ausbeutung darauf warten?
Die Seminarreihe hat einführenden Charakter und will anknüpfend an Internet-Audio-Vorträge aus dem Spektrum zwischen kritischer Theorie und Wertkritik die Grundzüge der wertkritischen Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus, seiner Krise(n) und seiner deutschen Form vorstellen. Es soll verdeutlicht werden, wie eine Kritik des Kapitalismus mit Hilfe der Kategorien von Wert, Ware, Geld, Kapital formuliert wird und welche Kontroversen hierbei bestehen.

27.06. Vormittags
Teil 1:

Nach dem Big Bang ist vor dem Big Bang – Die Krisentheorie der Gruppe Exit.
Wie erklärt Robert Kurz mit Hilfe der marxschen Kategorien Wert, Ware, Geld, Kapital die aktuelle Krise? Welche Bedeutung hat hierbei die These vom Abschmelzen der Wertsubstanz? Inwiefern bietet die Kurzsche Beschreibung Ansätze für eine Kritik an den derzeitigen Formen von Krisenideologie, der Fixierung auf Bankerboni z.B. und was lässt sich von Konjunkturpaketen und Verstaatlichungen zur Krisenlösung erhoffen?

27.06. Nachmittags
Teil 2:

To know the worst – Die initiative sozialistisches forum zu Krise, Staat und Ausnahmezustand

Die Deutschen stürmen keine Bank und wählen auch in der Krise weiter Angie. Warum? Woher kommt das Vertrauen der Deutschen in „Sicherheit und Ordnung“? Mit ihrer Gesellschaftskritik, die mit ihrer Kritik an Ausbeutung und Herrschaft tiefer greifen will als Robert Kurz und andere, versucht die Gruppe isf über die Widersinnigkeit und Brutalität der gesellschaftlichen Zustände aufzuklären. Gesellschaft stellt sich unter den aktuellen bürgerlich kapitalistischen Verhältnissen als etwas Negatives dar: als der Einschluss durch den gegenseitigen Ausschluss aller durch alle. Denn Ware, die Form des gesellschaftlichen Reichtums im Kapitalismus ist nur für Zahlungsfähige zu haben. Der Staat garantiert die Verträge und setzt mit dem Geld „das Fundament des Staates“, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt. Welche Rolle spielt der Staat für diese negative Vergesellschaftung und warum hoffen in der Krise alle auf seine „Rettungsschirme“? Woher rührt gerade der untertänige Glaube der Deutschen, dass es „ihr Staat“ sein soll, der als Sieger aus der Krise hervorgehen wird?

11.07. Vormittags
Teil 3:

Alles ist so komplex – Kapitulation oder kritische Theorie?
Mit der grundlegenden Behauptung der Unerkennbarkeit der Welt, so der Hamburger Soziologe Gerhard Stapelfeldt, schalte das neoliberale Denken die klassische linke Kritik am Kapitalismus still. Die Konsequenzen der Krise seien derzeit noch nicht absehbar, um so schwerer wiege die Schwäche emanzipatorischer Kritik. Was ist neoliberale Ideologie? Besteht sie tatsächlich nur aus Rationalisierung und Deregulierung? Welche Bedeutung haben derzeit neoliberale und ordnungspolitische Ansätze beim staatlichen Versuch der Krisenbewältigung?

11.07. Nachmittags
Teil 4:

Vom Mangel zum Bewusstsein? – Vertreter der Gruppe krisis zum Ressourcenproblem des Kapitalismus
Nicht nur eine innere Schranke der Kapitalverwertung tue sich derzeit auf, sondern auch eine äußere werde erkennbar: die Begrenztheit und Gefährdung der natürlichen Ressourcen. Auch Kurz’ Exkollegen von der krisis – Gruppe oder Sozialwissenschaftler wie Elmar Altvater sehen das so, erstere machen schon Vorschläge für eine Rationierung von Benzin. Wenn es derzeit auch schauerlich um den emanzipatorischen Gehalt dieser Kritiken bestellt ist, was ist dran an der Verbindung zwischen „Peak Oil“ und dem Finanzcrash im Oktober 2008?

Der Veranstaltungsort und die Veranstaltungszeit ist auf Nachfrage unter afa-jugend-bz@gmx.de erhältlich.


Abonnement

Abonniere meine RSS-Feeds